NMZ (Neue Musikzeitung) 6/09, Seite 50

 
     
 

Blues und Boogie-Woogie auf dem Klavier
Eine Fortbildung des DTKV Hessen in den Landesmusikakademie Schlitz

 
     
 

In der hessischen Landesmusikakademie Schloss Hallenburg veranstaltete der Deutsche Tonkünstlerverband Landesverband Hessen e.V. im Oktober 2008 einen Kurs mit Helge Barabas, einem versierten Blues- und Boogie-Pianisten mit einem ausgereiften Unterrichtskonzept. Ein Wochenende lang beschäftigten sich zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Hessen und Niedersachsen unter seiner Anleitung mit dem Thema "Blues und Boogie-Woogie für Klavier". Während bei den Amateurinnen und Amateuren das Interesse am Selberspielen im Vordergrund stand, hielt es sich bei den Klavierpädagoginnen und –pädagogen die Waage mit der Frage nach der Vermittlung von Blues und blues-verwandter Musik im eigenen Unterrichtsalltag. So unterschiedlich wie die Ausrichtung und Gewichtung der persönlichen und pädagogischen Interessen waren auch die Vorkenntnisse: eine Herausforderung für den Dozenten.

Helge Barabas ließ den Kurs mit einer Einführung in die zwölftaktige Blues-Grundstruktur beginnen: Blues-Schema, Tonalität im Blues und blues-typische Klangfolgen brachte er klar und verständlich auf den Punkt. Dann waren die KursteilnehmerInnen gefragt: Kurzes gemeinsames Ausprobieren, dann Vertiefung in Kleingruppen unter Anleitung des Dozenten in den stilvollen und hervorragend ausgestatteten Räumen der Akademie. Einen wichtigen Teil der abwechslungsreichen Lernsituationen bildeten kinesiologische Koordinationsübungen: klaviertypische Bewegungen in Hand und Arm werden als "Trockenübungen" simuliert - selbstverständlich rechts und links unterschiedlich. Denn im Blues, Boogie-Woogie und Solo-Jazzpiano muss mit der linken Hand die komplette Rhythmusgruppe ersetzt werden. Wenn dazu mit der rechten Hand improvisiert werden soll, ist absolute Unabhängigkeit unbedingte Voraussetzung. 

 

Helge Barabas. Foto: Frank Vollmar

Die von Helge Barabas entwickelten Koordinationübungen sind auch und gerade im Unterrichtalltag gut einsetzbar, lockern den Unterricht auf und können oft die Übezeit an koordinatorisch vertrackten Passagen deutlich abkürzen - mit erfreulichen Erfolgserlebnissen, sie die Teilnehmer im Laufe des Kurses selbst erleben konnten.

Am zweitem Kurstag wurden die Koordinationübungen zunächst wiederholt und ergänzt. Anschließend wurde das Thema Blues-Tonalität vertieft, und die TeilnehmerInnen lernten typische Spielfiguren des Blues kennen und anwenden. In Kleingruppen wurden Artikulation und Phrasierung, Bassfiguren und blues-typische Verzierungen intensiv geübt. Der Abend schließlich gehörte den großen Blues- und Boogie-Pianisten: Helge Barabas hatte zahlreiche Hörbeispiele mitgebracht, anhand derer er die Kursinhalte nochmals erläuterte; dazu gab er einen Überblick zur Geschichte von Blues und Boogie-Woogie und stellte zahlreiche Noten und CDs vor.

Am letzten Kurstag ging es ans Umsetzen der Hörbeispiele in die Praxis. Ein Hör-Porträt von Meade "Lux" Lewis ließ die Herzen der Blues-Fans höher schlagen. Danach kam die klavierpädagogische Fraktion voll auf ihre Kosten, als Helge Barabas seine beiden Miniaturen-Bände mit Lehrstücken für die ersten vier Unterrichtsjahre vorstellte und ihre Verwendung im Unterricht erläuterte. 

Für das Weiterarbeiten nach dem Kurs bzw. zum Einsatz im Unterricht erhielten die TeilnehmerInnen das systematische und gut verständliche Heft "Blues, Boogie-Woogie, Rock´n Roll – Grundkurs" von Helge Barabas , entstanden aus der praktischen Kurstätigkeit des Dozenten.

Helge Barabas steht seit 25 Jahren mit seinen Soloprogrammen professionell auf der Bühne. Seit 1980 unterrichtet er Klavier und gibt seit 1986 Kurse für KlavierpädagogInnen und fortgeschrittene SchülerInnen zu den Themen Blues, Boogie-Woogie, Rockpiano und Improvisation. Sein besonderes Augenmerk gilt dem entspannten, physiologisch optimalen Klavierspielen. Die von Prof. Peter Feuchtwanger für klassische Pianisten entwickelten Techniken und Übungen hat er auf das Solo-Klavierspiel "nicht-klassischer" Musik übertragen. Seit 1985 veröffentlicht er Lehrwerke, Stückesammlungen und Solostücke für Klavier. In Seinsheim (Nordbayern) unterrichtet er im eigenen Musikinstitut TASTENKOLLEG, wo auch die meisten seiner Kurse stattfinden.

Dank Helge Barabas´ jahrzehntelanger Erfahrung in der Unterweisung von Gruppen konnten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer von diesem abwechslungsreichen und gut strukturierten Kurs profitieren. Zur entspannten Kursatmosphäre trug auch die Unterstützung des Landesmusikakademie-Personals  bei, wofür sich der hessische DTKV-Landesverband ausdrücklich bedankt hat. Wir hoffen sehr, dass wir in absehbarer Zeit dem Wunsch etlicher Kursteilnehmerinnen und –teilnehmer nach einen Fortsetzungskurs mit in der hessischen Landesmusikakademie entsprechen können.

Britta Wetzler

 
 
8zur Startseite       8zur Übersicht über die Presseberichte       8nach oben