Schlitzer Bote, 8. Januar 2007

 
     
 

Kneipenklänge in ehrwürdigem Ambiente
Abschlusskonzert des Tastenkollegs im überfüllten Gartensaal

 
 

FOTOS: BE

 
 

SCHLITZ (bgö).     Die würdigen Herren auf den Grafenporträts im Gartensaal von Schloss Hallenburg schienen unter ihren mächtigen Perücken ein wenig die Stirn zu runzeln: Was waren das für Töne? Musik, die nach Kneipe klang, war am Freitagabend in der Landesmusikakademie zu hören. Der Tastenkolleg-Intensivkurs des Würzburger Pianisten Helge Barabas hatte zum Abschlusskonzert eingeladen, und etliche waren der Einladung gefolgt, um Blues, Boogie-Woogie und Ragtime zu hören.

Der Andrang könnte für die barocken Herren einen weiteren Anlass zur Befremdung gegeben haben: einen derartigen Ansturm hat der Gartensaal wohl noch nicht erlebt. Die Sitzplätze in dem Raum reichten für die gezählten 125 Besucher bei weitem nicht aus, im Vorraum und auf der Treppe lauschten die Musikbegeisterten.

Andre und Max: vierhändiger Tanz über die Tastatur.

 

 

Sie begeisterten das Publikum mit Blues, Boogie-Woogie etc. Rechts Helge Barabas. Fotos: be

Fünf Männer und eine Frau aus Hessen und Bayern im Alter von 15 bis 45 Jahren hatten an dem Tastenkolleg teilgenommen und boten nun feinste Pianoklänge aus drei Jahrhunderten - alles außer Klassik. Dabei hatten sie viel Spaß. Spaß, der sich unmittelbar auf das Publikum übertrug. Beim wilden Boogie und heiteren Ragtime entpuppten sich manche der Musiker als wahre Tastenzauberer, die sich aufgrund ihrer Virtuosität allerlei Späße herausnehmen konnten, besonders, wenn sich die Partner beim vierhändigen Spiel auf verschiedene Weise neckten oder einfach mal während des Spielens die Plätze wechselten. Altbekannte Schlager wurden durch den Boogie-Häcksler gedreht und kamen in einem völlig neuen, aber sehr kleidsamen Gewand wieder zum Vorschein. Sanfter Blues schmiegte sich wie Baumwolle in die Gehörgänge, und auch manche Rockballade erwies sich als absolut klaviertauglich.

Bei sechs unterschiedlichen Musikerpersönlichkeiten bleibt es nicht aus, dass auch das Programm recht unterschiedlich ist. Wie Helge Barabas gegenüber unserer Zeitung erläuterte, hat ein Kirchenmusiker andere Ansprüche an einen solchen Workshop als eine Sängerin, und Barabas wolle als Dienstleister allen Wünschen gerecht werden.

Den Ansprüchen des Publikums wurden er und seine Mitstreiter auf jeden Fall gerecht. Der Beifall war stellenweise euphorisch, und am Ende des Konzertes sah man nur zufriedene bis glückliche Gesichter.

Und auch die Grafen schienen am Ende recht milde aus ihren Bilderrahmen zu blicken...

Clemens - großes Nachwuchstalent.

 
 
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