Main-Post Bad Kissingen, 4. August 2006

 
     
 

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Von unserem Redaktionsmitglied
IRENE SPIEGEL
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HAMMELBURG     "Es ist egal, wo man herkommt. Wichtig ist, wo man hin will." Mit der Quintfallsequenz kommt man dabei immer ans Ziel: "Sechs, zwei, fünf, eins, dann turn around." (1) Alles klar? Alle nicken und lost geht's mit Boogie-Woogie.

Für den Laien hat es den Anschein, als findet hier Mathematikunterricht statt. Doch bei den Quintsprüngen handelt es sich nicht um eine Abwandlung von Einsteins Relativitätstheorie, sondern um Grundlagenschemen für die Boogie-Woogie-Improvisation am Piano. (2)

Bereits zum zweiten Mal findet dieser Kurs mit dem Würzburger Pianisten Helge Barabas an der Hammelburger Musikakademie statt. Fünf hoch motivierte Teilnehmer aus völlig unterschiedlichen Berufs- und Altersgruppen lernen dabei am Klavier die musikalischen und technischen Besonderheiten, auf die es beim Blues und Boogie-Woogie speziell ankommt.

Mit dabei ist zum Beispiel der 17-jährige Julius Wiedemann aus Augsburg. Neun Jahre lang hat er sich mit klassischen Klavierstücken abgequält. Dann erfuhr er von den Boogie-Woogie-Kursen des Würzburger Pianisten und seitdem hat ihn der Blues gepackt. "Wenn man es einmal spielt, kommt man nicht mehr weg davon."

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Anmerkung Helge Barabas:
(1) Die 6-2-5-1-Verbindung ist der Turnaround
(2) Die Quintfall-Sequenz (= 6-2-5-1-Verbindung) wird gerne in den letzten beiden Takten eines 12-taktigen Blues-Schemas gespielt. Sie ist kein Improvisations-, sondern ein harmonisches Schema, das besonders markant zum nächsten 12-taktigen Chorus überleitet.

 

 

"Den Blues muss man nicht haben, sondern kann ihn erlernen", sagt Helge Barabas, der an der Hammelburger Musikakademie Intensivkurse für Improvisation, Boogie-Woogie und Blues abhält.

FOTO IRENE SPIEGEL

 
 
 

Dass man den Blues nicht im Blut haben muss, sondern erlernen kann, zeigt dieser Kurs. nach einem eigens entwickelten didaktischen Konzept bringt Helge Barabas seinen Schülern die Grundlagen und das Aufbauwissen über Blues, Boogie-Woogie und Improvisation bei. Dabei spielt das Alter keine Rolle, wie der 69-jährige Ekbert Warmuth aus Nüdlingen beweist. Er ist der älteste in der Gruppe und hat jetzt in seinem Ruhestand endlich die Zeit gefunden, sich mit der Improvisation näher zu beschäftigen. "Ich mach' das nur für mich", sagt der ehemalige Lehrer.

Die beiden Frauen in der Gruppe sind gleichzeitig auch die einzigen Profis im Kurs. Carola Colani ist Klavierlehrerin und Gerda Rösch Gesangs- und Klavierpädagogin. Beide finden es befreiend, mal von den Noten weg zu kommen. Das hier Erlernte wollen sie auch an ihre Schüler weitergeben.

Manche der Teilnehmer haben selbst Stücke mitgebracht, um sich von dem Würzburg Klavierpädagogen über die eine oder andere technische oder musikalische Hürde bringen zu lassen. Auf diese Weise gestaltet jeder Teilnehmer ein Stück weit den Kurs selbst mit.

 

Für den Software-Ingenieur Max Raff ist es inzwischen der vierte Kurs, den er bei Helge Barabas belegt. "Ich habe hier enorme Fortschritte gemacht und Lockerheit gelernt." Das zeigt er gleich bei seinen Blues-Improvisationen über verschiedene Tonarten, die sich schon sehr professionell anhören. Mit dem Klavierspielen hat der 44-jährige erst mit 18 Jahren begonnen, der Boogie-Woogie hat ihn jedoch schon als Jugendlicher fasziniert. Von Schallplatten hat er sich immer wieder Improvisationen abgehört und technische Tricks von Profis bei Konzertbesuchen abgeschaut. Vor zwei Jahren dann beschloss er, professionellen Unterricht zu nehmen und besucht seitdem Kurse von Helge Barabas.

Hintergrund

Helge Barabas

Der Würzburger Pianist Helge Barabas steht seit über 20 Jahren professionell auf der Bühne und hält seit 18 Jahren Kurse sowohl für Klavierpädagogen als auch für Hobbymusiker. Er ist Autor zahlreicher Unterrichtswerke. Über 30 Veröffentlichungen sind bisher zu den Themen Blues, Boogie-Woogie, Rockpiano, Improvisation und paradoxe Klavierpädagogik erschienen.

 

 
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