Main-Post Würzburg, 11. Oktober 2000

 
     
 

Seit kurzem in Mainbernheim zu Hause: Helge Barabas
Wenn die Klavierschule der Blues packt

 
 

MAINBERNHEIM
Mit unkonventionellen Unterrichtsmethoden und modernen Etüden will Helge Barabas Spaß in den Klavierunterricht bringen.
VON TORSTEN SCHLEICHER

Das Szenario soll auch heute noch vorkommen: Unter dem gestrengen Blick von Klavierlehrer oder -lehrerin quälen sich Teenager an ihrem Instrument von Etüde zu Etüde. Wenn doch die Klavierstunde endlich vorbei wäre! ...

ZEICHNUNG STEPHAN KOWALEWSKI

Barabas-Schöpfung: "Egon", der Schüler, der erst einmal alles falsch macht.

 

Doch es geht auch anders. Wenn der Sprössling Glück hat, dann lernt er "Egon" kennen. "Egon" prangt auf Notenheften, ist ein Maskottchen und gleichzeitig so etwas wie der Leidensgefährte aller Klavierschüler. Das heißt, so ganz stimmt der Vergleich nicht. "Egon" macht zwar auch so ziemlich alles erst einmal falsch, was man als angehender Pianist falsch machen kann, doch dann platzt auf einmal der Knoten. Warum? Ganz einfach. "Egon" spielt keine altbekannten Etüden mehr, er steckt seine große Nase lieber in die Notenbücher seines "Erfinders" Helge Barabas. Und was es da nicht alles zu entdecken gibt! Da hüpft der "Tastenwurm" fröhlich übers Piano, da klingen Blues, Rock'n Roll und Boogie-Woogie aus ganz simplen Übungsstücken.

 

FOTO SCHLEICHER

Der Meister und sein Werk: Helge Barabas begutachtet in seinem neuen Mainbernheimer Büro seine jüngste Veröffentlichung.

Und auf einmal gilt für "Egon" und seine menschlichen "Kollegen" das Motto: "Frust, lass nach!". Klavierspielen zu lernen macht auf einmal richtig Spaß.

Und Spaß soll Musik eigentlich immer machen, das meint zumindest Helge Barabas. Der 42-jährige Musiker und Komponist aus Leidenschaft hat sich partout in den Kopf gesetzt, aus dem Klavierunterricht eine - zumindest weitgehend - fröhliche Angelegenheit zu machen, bei der man (um alle Eltern zu beruhigen) auch wirklich etwas lernt.

Weil er die vorhandenen Klavierschulen zwar durchaus verdienstvoll, aber eben doch für reichlich verstaubt befand, beließ es Helge Barabas nicht nur bei der Kritik. Vor 15 Jahren gründete er kurzerhand seinen eigenen Musikverlag, fest entschlossen, der Musikpädagogik zumindest ein kleines Stück weit seinen Stempel aufzudrücken.

Doch Idee und Verwirklichung sind mitunter zwei ziemlich verschiedene Dinge. Als es 195 mit der Verlagstätigkeit begann, war die Produktion der Notenblätter noch weitgehend Handarbeit. "Ein Computerprogramm zum Notenschreiben war für einen Normalsterblichen damals nicht zu bezahlen und war auch kaum zu bekommen", berichtet er in der Rückschau. Von derlei Schwierigkeiten hat sich Barabas, der jahrelang als Keyboarder Würzburger Rockbands verstärkte, nie beeindrucken lassen.

Wenn die Computer-Variante ausfiel, wurden die Eigenkompositionen eben fein säuberlich per Hand aus Papier gebracht. Noch heute ist Barabas ein bisschen stolz auf seine Frühwerke. nach vielen Jahren in Würzburg ist der Komponist und Verleger nun in Mainbernheim zu Hause, wo er in der Herrnstraße jüngst sein neues Verlagsbüro eröffnete.

Einem Grundsatz ist Barabas bei der Komposition der Stücke und der Zusammenstellung seiner Publikationen immer treu geblieben: "Jedes Stück ist eine Etüde, und Jede Etüde ist ein Stück." Soll heißen: Auch eine Übungs-Komposition muss nicht automatisch reizlos und langweilig sein. Warum soll ein Klavierschüler nicht auch einmal "bluesige" Rhythmen spielen, warum nicht auch einmal Jazz oder Rock? Und: Sind Improvisationen wirklich nur etwas für Profis? ...

Barabas hat die Fragen mit seinen Publikationen längst beantwortet. Dennoch ist es eine zähe Angelegenheit, sich mit neuen Stücken und Ideen auf einem hart umkämpften Markt zu behaupten. Doch den schnellen Erfolg hatte Barabas ohnehin nie im Kopf, als er vor 15 Jahren seinen Verlag gründete. "Man muss da in Jahrzehnten denken", sagt er.

Reich kann man mit einem kleinen Musikverlag übrigens nicht werden, zumal Helge Barabas in jeder Hinsicht auf Qualität achtet. So werden beispielsweise alle Verlagsprodukte auf Hanfpapier gedruckt. Das ist ökologisch sinnvoll, weil Hanfpapier ein nachwachsender Rohstoff ist, und auch für den Verbraucher besser: Hanfpapier ist extrem reißfest, was bei den stark beanspruchten Notenheften durchaus von Bedeutung ist. Nur einen "kleinen" Nachteil hat die Sache: Das Material ist sechsmal so teuer wie herkömmliches Papier. Doch damit hat Barabas letztlich kein Problem: Das Papier ist mindestens 200 Jahre alterungsbeständig, und schließlich ist es auch für einen 42-jährigen ein gutes Gefühl, dass etwas selbst geschaffenes die Zeiten überdauert ...

 
 

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